Funckenhof Die Tiere

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Heide

Hoföffnungszeiten:

Von April bis Oktober freitags und sonnabends von 15.00 bis 18.00 Uhr

Hofladen mit Produkten rund ums Schaf, Pfad der Sinne – der Weg durch einen Tag vor 100 Jahren, bäuerliches Hauswesen

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Historische Haus- und Nutztiere haben meisten eine Ortsbezeichnung in ihrem Namen. Das ist nicht zufällig. Sie sind entstanden an diesem Ort unter den dort herrschenden natürlichen Bedingungen (Wetter, Boden...), ihren Bedürfnissen und den Ansprüchen der Menschen. Das war ein kompliziertes Zusammenspiel.
Die meisten historischen Rassen sind bereits ausgestorben, weil ihre an die Futtergrundlage angepaßte Leistung den Oberbauern nicht genug war. Sie sind hier im Lüneburgischen fast total ausgestorben (es gibt nur noch das Ramelsloher Huhn), und zwar schon vor dem zweiten Weltkrieg. Jahrzehnte lang wurde den "kleinen Leuten" die eigene bzw gemeinschaftliche Vatertierhaltung verboten, um vorgeblich die Leistung zu steigern. Daher haben wir nun moderne Tiere, die ihr Leistungspotential nur mit konzentrierten Eiweißfuttermitteln – meistens aus Übersee – und klimatisch immer möglichst gleichbleibenden optimalen Bedingungen entfalten.
Auf dem Funckenhof werden die historischen Tierrassen möglichst nah an dem Zustand gehalten, an dem sie entstanden sind. Das heisst, sie müssen mit dem Boden und der Vegetation die auf diesem Boden wächst und dem Klima hier zurecht kommen. Es gibt keine Lichtprogramme, keine beheizten Ställe und kein Eiweißfutter aus Übersee. Natürlich auch nicht aus Gentechnik. Keine Silage. Das Heu kommt von meinen eigenen Flächen, die so bearbeitet werden, dass möglichst viel blüht.

 

Esel – alte Begleiter der Menschen

Die Landschaften, aus denen unsere Hausesel stammen gehören zu den unwirtlichsten unserer Erde. Esel haben sich in Jahrtausenden an die kargen Bedingungen der Steppen und Halbwüsten Afrikas angepasst. Sie durchstreiften einzeln (Hengste sind territorial) oder in kleinen Mutter-Fohlen-Gruppen riesige Gebiete auf der Suche nach Nahrung. Esel sind keine Herdentiere, wie Pferde. Sie brauchen zwar Artgenossen, aber finden sich nur zu losen Verbänden zusammen, die sich je nach Futterlage vergrößern oder auflösen können. Jeder Esel ist für sich selbst verantwortlich. Der Esel erkennt kein Leittier an. Mit „Pferdesprachdressurmethoden“ kommen wir bei ihm nicht weiter. Tatsächlich ist er aber sehr intelligent und in der Lage Menschen zu „lesen“. D.h. wenn wir deutlich und klar mit ihm kommunizieren, überlegt er es sich, ob unser Anliegen sinnvoll ist, und entscheidet dann. Wir müssen ihm immer Zeit zum Überlegen geben. Da er neugierig ist und Lust hat, etwas zu erleben, unternimmt er gerne etwas mit uns.
In früheren Zeiten gab es auch in unseren Breiten viele Esel. Wer einmal Till Eulenspiegel liest, wundert sich, wie viele.
Die Funckenhof-Esel Rasmus, Lobosch und Levina gehören nach dem Stockmaß zu den Deutschen Normaleseln. Sie haben einen Stall mit großem Auslauf – ihre Privatwüste - und gehen stundenweise auf die Weide. Die Hufpflegerin kommen regelmäßig alle sechs bis acht Wochen und ist immer besonders zufrieden, wenn die Esel viel „gearbeitet“ haben, denn dann sehen die Hufe gut und gesund aus. Längere „Stehzeiten“ vertragen sie nicht.
Übrigens wird immer wieder nachgefragt, ob die Esel verliehen werden. Das werden sie nicht. Drahtesel kann man verleihen, aber keine echten Esel. Sie sind bei uns kein Gegenstand oder Sportgerät und haben auf Wanderungen und Veranstaltungen immer eine Vertrauensperson dabei.

 

Das Schaf – die eierlegende WollMilchSau

Nach dem Hund ist das Schaf das älteste Haustier der Menschen. Schon ca. 12.000 Jahre ist es Haustier. Dabei entwickelte sich die Wolle vor ca. 8.000 Jahren. Da es aber erst seit ca. 2000 Jahren Scheren gibt, verloren die Schafe auch bis dahin ganz normal wie jedes andere Tier im Frühling ihre Wolle. Die Menschen konnten alles vom Schaf nutzen, wobei in der Geschichte bestimmt der Wolle und dem Mist der Ehrenplatz gebürt.
Auf dem Funckenhof leben unterschiedliche Rassen:
Um bei der Geschichte zu bleiben: Das Gotländische Freigangschaf steht noch auf der Stufe bevor die Scheren erfunden wurde und verliert dementsprechend noch im Frühjahr seine wunderbare Wolle.
Das Ostfriesische Milchschaf entstand auf den fetten Weiden der Nordseeküste und ist dementsprechend leistungsstark und hat hier an der Elbe seine Probleme mit der Futtergrundlage. Daher werden sie in bestimmten Situationen zugefüttert. In Walmsburg (also hier auf dem Funckenhof) gibt es eine Milchgruppe, die die Schafe per Hand melkt und die Milch für den Eigenbedarf weiterverarbeitet.
Das rauwollige Pommersche Landschaf ist das Pendant zum Ostfriesischen Milchschaf von den armen Böden der Ostseeküste
Das Merinolangwollschaf ist eine modernere Rasse – nichtsdestotrotz auch vom Aussterben bedroht-, die zur Selbstversorgung der DDR mit feiner Wolle gezüchtet wurde

Auf dem Funckenhof leben zwischen 40 und 100 Schafen. Da sie durchweg historischen Rassen angehören, dürfen sie auch älter werden, als moderne Fleischschafrassen. Sie schmecken auch im Alter nicht schafig-tranig. Das liegt daran, dass ihre Fettzusammensetzung eine andere ist. Sie wachsen aber langsamer als die modernen Rassen, daher gibt es für sie keinen Markt, d.h. normale Händler nehmen sie gar nicht, weil sie nicht mit höchstens 8 Monaten der geforderten Schlachtqualität entsprechen. Das bedeutet, sie müssen selber vermarktet werden. Ich halte die Schafe je nach Jahreszeit, Futtergrundlage und Bedürfnissen der Schafe in unterschiedlichen Gruppen. Kein Tier wird kastriert oder kupiert. Schafe leben im Matriachat und Böcke bilden Junggesellenverbände, wo sie Skat spielen, Biertrinken und ab und an auch eine kleine Wirtshauskeilerei hinlegen können. Sie sind so zufrieden, dass es keine gegen Menschen agressive Böcke gibt, auch wenn sie zahm sind. Sie wissen Schaf ist Schaf, Bock ist Bock und Mensch ist Mensch.

 

Hunde

Ich habe als wunderbare Mitarbeiter drei Border-Collies gewinnen können. Sie sind mit Elan dabei, die Schafe und das Geflügel zu hüten. Sie gehören nicht zu den bedrohten Haustierrassen. Es gibt zwar Hütehunde in Deutschland, die auch vom Aussterben bedroht sind, aber die sind auf große Herden spezialisiert. Das, was der Border-Collie kann, zeigt sich besonders an kleineren Gruppen (wie ich sie habe), die ganz präzise plaziert werden müssen, Z.B. zwei meiner früheren Hunde Inka und Tough, die für Filmaufnahmen Schafe zentimetergenau in Sonnenflecken gestellt haben. Heute ist es Flys, Emmas und Flohris Paradestück, eine Gruppe Schafe ohne jede Begrenzung auf freier Fläche in den Anhänger zu leiten.
Meine Hunde sind und waren häufig Tierschutzhunde. Zusammengenommen hatten und haben sie alle typischen "Hackenschüsse" der Border-Collies, daher waren und sind sie als Familienhunde in keinem Fall geeignet. Das würde ich auch verallgemeinern!!

 

Geflügel

Das Geflügel bekommt im Allgemeinen hier nur den Nachwuchs, den es selber ausbrütet. Das ist eine große Seltenheit und damit auch Schwierigkeit, denn die meisten alten Rassen haben nur überlebt, weil Kleingeflügelzüchter sie schön fanden. Die brauchen aber im Herbst für ihre Schauen Ausstellungstiere. Um "reife" Tiere schon im Herbst – und nicht erst natürlicherweise im Frühjahr – zu haben, müssen die Elterntiere rechtzeitig brüten. Das tun sie meistens nicht und daher werden Belichtungsprogramme und die Brutmaschinen angeworfen und viele kleine Küken wachsen ohne Eltern auf und die Eltern verlieren ihre Brutinstinkte.
Ich möchte ohne Maschinen auskommen und meine Tiere sollen wieder Eltern haben. Wobei "Eltern haben" im Tierreich meistens "Mutter haben" heißt.
Diese Form der Aufzucht gibt es aber faktisch nicht mehr. Daher ist sie mit viel Arbeit und Beobachtung verbunden, wieder eine Umgebung hinzubekommen, in der die Tiere ihrem natürlichen Lebensrhytmus folgen können. Und auch noch körperlich dazu in der Lage sind. Und natürlich ist damit auch der Aufwand, Eier oder Braten zu erzeugen, höher als in jedem guten Biobetrieb. Denn Hühner, Enten und Gänse, die Eltern haben, gibt es faktisch nicht mehr. Auch Biohühner kommen aus Brutanlagen.

 

Gänse

Diepholzer Gänse: Meine mit Ring dekorierten Diepholzer Gänse (zwei Zuchtpaare) hatten genau das oben beschriebene Problem. Sie stammten aus Maschinenaufzuchten, waren nicht in der Lage, ordentliche Paare zu bilden und vernünftig zu brüten. Leider waren sie auch nicht in der Lage, draußen zu überleben. Sie sind nicht alt geworden. In dritter Generation ist nun eine Gans übrig geblieben, die auch wieder das uralte Merkmal der Diepholzer zeigt, nämlich ein Herbstgelege anzulegen. Natürlich ist es im Herbst nicht sinnvoll, zu brüten. Das tut sie auch nicht. Aber im Herbst gibt es unter natürlichen Umständen keine Hühnereier! Nun kann ich trotzdem Rührei essen oder Kuchenbacken!
Hermine hat aber leider keinen echten Diepholzer Ganter, sondern einen Wald- und Wiesen- Herren: Hermann. Und da die beiden wunderbar miteinander harmonieren, bleibt das auch so.

Frankengänse: sind wunderhübsch und unglaublich freundlich. Trotzdem Carmen fremdgegangen war, kümmerte sich Siegfried aufopferungsvoll um den Nachwuchs, der so gans anders aussah wie er. Und beide adoptierten den kleinen Wildganter "Paul", der auch im zweiten Jahr seine Zieh-Eltern nur für kleinere Rundflüge verläßt.

Wildgänse: gibt es auch manchmal auf dem Funckenhof. Das liegt an der Lage im BiosphärenreservatElbtalaue, wo viele wilde Graugänse brüten und manchmal die Jungen verloren gehen und dann den Weg hierher finden. So hatte einst Donald wilde Graugänse großgezogen und ab und zu guckt noch einmal eine aus dieser Zeit vorbei und so wurde auch "Paul" von den Frankengänsen adoptiert.

 

Enten

Warzenenten sind seit 2016 auch auf der Liste der aussterbenden Haustierrassen zu finden. Ich fand sie früher unglaublich häßlich, bis mich dann Donald und Fipsi mit ihrem liebenswürdigen Wesen überzeugten. Ich bekam sie aus dem Museumsdorf Hamburg-Volksdorf, wo ich lange Jahre Kurse und Seminare gab. Donald ging mit auf Tour, wenn ich in Kindergärten und Schulen Veranstaltungen machte. Er zog 2009/2010 vier wilde Graugänse groß, obwohl Erpel sonst niemals etwas mit ihrem Nachwuchs zu tun haben. Fipsi starb 2017 mit mindestens 14 Jahren. Sie ist die Stammmutter meiner heutigen Warzenenten.

Blaue Pommernenten sind im Gegensatz zu den Warzenenten sehr laut und sehr beweglich. Und sie fand ich schon immer schön. Sie sind extrem selten. Sie sind hier am bodenständigsten, kommen sie doch ursprünglich aus Vorpommern, was schon auf der anderen Elbseite begann. Da die blaue Farbe ein aufgehelltes Schwarz ist, gibt es beim Nachwuchs immer auch helle und schwarze Tiere.

 

Hühner

Ostfriesische Möwen heißen so, weil die kleinen Küken aussehen, wie Möwenküken. Als Ornithologin kann ich das bestätigen. So langsam habe ich meine "Nichtbrüter"-Hühner soweit, dass sie auch selbstständig für Nachwuchs sorgen können. Sie kamen auch einmal im Lüneburgischen vor, auch wenn ihr Ursprungsgebiet – wie der Name schon sagt - in Ostfriesland liegt. Sie legen weiße Eier, die ich für meine Veranstaltungen (Rund ums Ei) nutzen kann.

Marans sind keine aussterbenden Haustiere, sind aber dick und gemütlich und legen dunkelbraune Eier. Im Ganzen das Gegenteil der Möwen.

Ramelsloher fehlen mir noch.

 

Katzen

gehören auf jeden Hof. Hier gibt es zwei Exemplare, die sich immer noch gut halten. Oskar (geb.1998 !!) legt die "großen Mäuse", die er nicht mehr einfach runterlutschen kann, auf seinen Futterteller, in der Hoffnung, dass sie ihm zerlegt werden. Katze hat noch alle Zähne, auch wenn er schon mindestens von 2003 stammt.

 

Bienen

sind nicht meine, sie bestäuben aber hier ordentlich meine Pflanzen und erzeugen leckeren Honig, den es bei mir ab Hof zu kaufen gibt. Bewirtschaftet werden sie nach den Prinzipien der Wesensgemäßen Bienenhaltung von Familie Schäfers.

 

Kulturfolger

sind wilde Tiere und Pflanzen, die ganz nah bei den Menschen leben. Sie nutzen Lebensräume, die durch Bewirtschaftung entstehen. Daher hat es einen sehr großen Einfluß auf unsere Umwelt, wie wir wirtschaften. Und wir könnten nicht nur weniger schlecht, sondern wirklich gut wirtschaften, sodass wir eine positive Rolle im Ökosystem spielen und uns nicht den Ast absägen, auf dem wir sitzen.
Hierauf dem Hof und auf den Weiden leben viele Tiere, die wo anders sehr selten geworden sind. Darauf bin ich sehr stolz und es ist mein erklärtes Ziel, immer mehr Arten die Möglichkeit der Besiedlung zu geben.
Direkt am Hof brütet z.B. ein Storchenpaar. Es nutzt das Heu der Winterfütterung und die Freßhölzer der Esel für sein Nestbau. Gejagt wird zu Fuß auf den kurzgefressenen Weiden zwischen den Eseln und den Schafen. Ebenfalls zu Fuß auf kurzen Weiden jagt der Steinkauz. Direkt am Haus brüten Haus- und Feldsperlinge, Hausrotschwänze, Rauchschwalben und Bachstelzen und Graue Langohrfledermäuse. Auf den Weiden, die nicht regelmäßig gemäht werden und also die Vegetationshöhe und -alter sehr unterschiedlich sind, brüten Fasane und Rebhühner, Und – worüber ich mich besonders freue – überwintern Sumpfohreulen. Auf den Mähweiden gibt es bei mir Lerchen, Wachteln, Wachtelkönige, Braunkehlchen, Wiesenpieper, Schwarzkehlchen... Und es blüht wieder!

Aber nicht nur Vögel gibt es hier, auch Schmetterlinge, Wildbienen und fast alle hier heimischen Lurcharten. Die Laubfrösche sind im Frühsommer so laut, dass eine Unterhaltung nicht mehr möglich ist! Sie überwintern in meinen Gemüsebeeten. In den Komposthaufen "brüten" Nashornkäfer und Ringelnattern.
Außerdem sind regelmäßig zu beobachten: Seeadler, Schwarzstorch, Uhu uvm...

Dann ist da noch der Wolf. Ich habe noch keinen gesehen. Aber hatte schon zweimal Besuch bei den Schafen. Da hat er (bzw sie) aber nur durch den Zaun gesehen. Sie hieß Zora und war besendert. Nur daher weiß ich von der Anwesenheit. Aber ich liege im Einzuggsgebiet zweier Wolfsrudel. Ich schütze meine Schafe mit hohen Elektronetzen.
Tote Schafe hatte ich bisher ausschließlich durch wildernde Hunde, und das nicht zu knapp (auch 2017 gab es wieder zwei Fälle). Im Gegensatz zu einem Wolfsriß werde ich bei einem Hunderiß nicht entschädigt.