Wölfe in Deutschland

August Reichel 9b

Bugenhagenschule

am Hessepark

2016/17

 

Vorwort

Ich habe mein Praktikum auf einem Bauernhof in Walmsburg gemacht. Andrea, die Bäuerin, hat vor allem Schafe, aber auch Hühner, Enten, Gänse und Esel. Eine meiner Aufgaben war es, Wolfszäune zu bauen. Das ist wichtig geworden, denn es gibt seit 1996 wieder Wölfe in Deutschland und vor kurzem haben Wölfe im Nachbardorf Schafe gerissen. Am vorletzten Tag meines Praktikums kam ein Wolfsberater in den Nachbarort. Bei dem Informationsabend wurde die Stimmung sehr hitzig. Das lag vor allem an einem Ehepaar, das sehr gegen die Wölfe war. Sie sind Großbauern und bauen vor allem Getreide an. Aber sie haben auch ein paar Schafe. Das ist ihr Hobby. Der Wolfszaun, den sie bauen müssen, kostet sie mehrere tausend Euro, deshalb wollen sie keine Wölfe in ihrer Nähe haben. Obwohl 80% der Kosten für Wolfsschutz vom Staat übernommen wird.

Ich bin von den Wölfen fasziniert. Vorher habe ich von Wölfen nur aus den Nachrichten gehört. Plötzlich sind sie ganz dicht. Ich habe zwar noch keinen gesehen, aber ich weiß, dass sie da sind.

Mich interressieren die Wölfe, wann sie aus Deutschland verschwanden, warum sie jetzt zurückkommen und wo sie in Deutschland leben. Ich möchte wissen, wie sie sich verhalten und wieso wir so viel Angst vor ihnen haben. Was für Wölfe spricht, warum man sie schützen sollte und was gegen sie spricht.

Der Bauernhof von Andrea Funcke

 

Wolfzäune bauen

In meinem Praktikum habe ich mitgeholfen, einen Wolfszaun zu bauen. Ich habe mit einem Handbohrer (siehe Foto 3) 80 cm tiefe Löcher in den Boden gebohrt. Die Löcher hatten ungefähr einen Durchmesser von 30 cm. Das war anstrengend und hat lange gedauert, weil der Boden sehr feucht war und an dem Bohrer kleben blieb. Ich musste den Handbohrer ständig wieder hochziehen und die Erde abklopfen. Dann mussten wir die schweren Holzpfäle in den Löchern verankern. Wir haben die Löcher wieder mit Erde zugeschaufelt und die Erde festgetrampelt. Um das Loch für einen Pfosten zu graben, habe ich 15-20 Minuten gebraucht. Zum Glück waren schon viele Pfosten vom vorherigen Zaun vorhanden. Die Pfosten hatten einen Abstand von 3,5m. Der alte Zaun musste durch einen Wolfszaun ersetzt werden, weil die Versicherung nur dann eine Entschädigung für gerissene Schafe zahlt.

Handbohrer

Ein ausgewachsenes Schaf kostet etwa 150,-€. Die Entschädigung für ein gerissenes Schaf beträgt 250-300,- €. Man bekommt mehr Geld als das Schaf kostet, weil der tatsächliche Schaden größer ist. Meistens macht der Wolf auch den Zaun kaputt. Der muss dann repariert werden, das kostet Zeit und Geld. Außerdem fallen die Lämmer weg, die das Schaf im Frühjahr zur Welt gebracht hätte.

Ein Wolfszaun muss mindestens 1,20 m hoch und 20-50 cm tief im Boden eingegraben sein. Wir haben den Zaun 1m nach vorne gebogen, auf den Boden gelegt und mit Stroh abgedeckt, so dass der Wolf auf dem Zaum steht, wenn er sich unter dem Zaun durchgraben will. Den nach vorne gebogenen Zaun mit Stroh abzudecken nimmt weniger Zeit in Anspruch, als wenn man um das ganze Grundstück einen 30 cm tiefen Graben buddeln muss. Wichtig ist, dass eine Litze etwa 10-20 cm über dem Boden am Zaun angebracht ist. Eine Litze ist ein dünnes Stromseil. Außerdem ist der Zaun die ersten 50 cm über dem Boden sehr engmaschig, damit die Schafe nur im eingezäunten Bereich grasen und nicht das Gras vom Nachbarn anknabbern.

Wenn bei einem Nutztierhalter Tiere von einem Wolf gerissen wurden, kann man Lappenzäune aufstellen, die verhindern, dass der Wolf in der nächsten Nacht wiederkommt. Lappenzäune kann man sehr schnell aufbauen. Sie bestehen aus Kunststoffpfälen, zwischen die eine Schnur gespannt ist. An der Schnur werden in dichten Abständen 50 cm lange und 20 cm breite Lappen festgemacht. Zwischen Lappenende und Boden sind maximal 20 cm Platz. So einen Zaun kann man selber bauen oder kaufen. Am Besten wäre es aber, einen Lappenzaun zu leihen, denn Wölfe lernen schnell. Nach ca. drei Wochen haben sie verstanden, dass die Lappen ungefährlich sind und sie einfach „durch die Lappen gehen“ können. Man sollte also in den drei Wochen einen richtigen Wolfszaun bauen.

Die Lappenzäune wurden schon vor hunderten Jahren zur Treibjagd auf Wölfe eingesetzt. Sie wurden in einen Trichter getrieben und dann getötet.

 Andrea baut den Wolfszaun

 

Wölfe in Deutschland

Vor ca.150 Jahren wurde der letzte Wolf in Deuschland abgeschossen. In vielen Ländern wird er heute noch gejagt. In der BRD wurde der Wolf 1980 „[...] im Bundesnaturschutzgesetz zur besonders geschützten Art erklärt. Allerdings gab es erst mal nichts zu schützen – der Wolf galt als ausgerottet, und hin und wieder von Polen einwandernde Tiere kamen in der DDR an, wo sie erschossen wurden. Seit der Wiedervereinigung gilt das Bundesnaturschutzgesetz auch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Und wenig später kommen sie.“ (Ahne, Petra, 2016. Wölfe, Berlin: MSB Matthes & Seitz. Berlin Verlagsgesellschaft mbH S.97 Seite 97).

1996 wurde der erste Wolf in Deutschland an der Lausitz gesehen. Er kam aus Polen. Ihm folgten mehr. 2000 kamen die ersten Welpen auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz zur Welt.

Im Juli 2012  gab es in Deutschland:

insgesamt 6 territoriale Einzelwölfe, 1 Wolfspaar und 16 Wolfsrudel.

Bundesland

Einzelwölfe

Wolfspaare

Rudel

Sachsen

 

 

8

Brandenburg

 

1

6

Sachsen-Anhalt

1

 

1

Mecklenburg-Vorpommern

4

 

 

Niedersachsen

1

 

1

(Die Zahlen habe ich aus dem Buch: Hrsg.: Elli H. Radinger, 2012. Wer hat Angst vorm Wolf?

Wie gefährlich sind Wölfe wirklich? Berlin, Autorenhaus. S.4)

2013 gab es 120 Wölfe in Deutschland

2017 sind es schon 400 Wölfe. Es wird vermutet, dass es

2021 1000 Wölfe und

2025 2000 Wölfe in Deutschland geben wird. Deutschland hat für 3000 - 4000 Wölfe Platz. Es gibt in Deutschland viel Wild, trotzdem braucht jedes Rudel ein Revier von 100 – 300 qkm.

 

Das Rudel

Wolfsrudel

„Ein Rudel besteht in der Regel aus den beiden Elterntieren, [...]“ die sich ein Leben lang treu bleiben, „[...] den Jährlingen des Vorjahres und den jüngsten Welpen, das sind insgesamt normalerweise vier bis neun Mitglieder.“ (Harling, Gert G. v, 2013. Wölfe, Jäger mit Teamgeist. Melsungen, Neumann – Neudamm S. 29). In Gegenden, wo die Beutetiere größer sind, bleiben die Jungtiere zum Teil bis zu drei Jahren bei dem Rudel. Dann gehen sie von ihren Eltern weg und suchen einen Partner oder eine Partnerin, um ein eigenes Rudel zu gründen. Wölfe führen ein soziales Leben. Jeder Wolf in einem Rudel wird gebraucht. Deshalb ist es auch sehr schlecht, wenn ein Wolf aus einem Rudel geschossen wird, weil dem Wolfsrudel dann ein wichtiges Mitglied fehlt. Das Rudel schafft es nur noch schwer oder gar nicht mehr, Hirsche, Rehe oder Wildschweine zu erbeuten. Deshalb gehen die Wölfe lieber auf leichtere Beute, z.B. Nutztiere: Schafe. Das Schlimme dabei ist, dass der Wolf alle Tiere todbeißt, die er bekommen kann. Der Wolf tötet auf Vorrat, das ist sein Instinkt. Denn bei jeder neuen Jagd geht es für den Wolf ums Überleben. In der Wildnis erwischt das Rudel nur ein Tier. Dass die Schafe im Gehege nicht weglaufen können, ist unnatürlich.

Bei den freilebenden Wölfen kommt es nur sehr selten vor, dass das Leittier einen anderen wirklich verletzt, um seine Position zu verteidigen, oder dass das Rudel einen Omega-Wolf mobbt, den alle immer beißen und fertig machen, denn jeder Wolf hat im Rudel seine Aufgabe und wird gebraucht. In Zoos und Wildparks ist das anders, da können die Jungwölfe nicht weg und ihr eigenes Rudel gründen, sie sind gezwungen miteinander zu leben. Oft werden sie deshalb kastriert.

 

Das schlechte Ansehen der Wölfe

5.1 früher

Im Mittelalter lebten die Menschen in kleinen Städten. Dort gab es manchmal auch Hungersnöte oder Epedemien. Dann sind in kurzer Zeit sehr viele Menschen gestorben. Es wurde nicht mehr jeder Tote einzelnd begraben, sondern es gab Massengräber vor der Stadt. Wölfe fressen nicht nur selbst getötete Tiere, sondern auch Aas. Die Wölfe wurden von den Massengräbern  angelockt und fraßen die Leichen. Den Menschen ging es in solchen Zeiten schlecht, aber die Wölfe konnten sich so gut vermehren, weil das Nahrungsangebot sehr groß war. Das ist ein Grund wieso die Menschen den Wolf als Inbegriff des Bösen ansehen. Wenn es den Menschen schlecht ging, dann ging es den Wölfen gut und sie konnten sich gut vermehren. Durch die Märchen „Rotkäppchen“ oder „Der Wolf und die sieben Geißlein“ wurde das schlechte Ansehen von den Wölfen noch verschlimmert. Im 17. und 18. Jahrhundert haben die Könige und Fürsten Belohnungen gezahlt für jeden getöteten Wolf, denn sie sahen in ihm einen Konkurrenten bei der Jagd. Deshalb haben nur die scheusten und klügsten Wölfe überlebt.

 

Nur ein toter Wolf ist ein guter Wolf

5.2 heute

Andrea, die Bäuerin, vermutet, dass die Jäger heute noch immer das Gerücht verbreiten, dass Wölfe sehr gefährlich sind, damit sie in Ruhe jagen können. Ein Jäger hat ihr gesagt, dass man selbst Schuld habe, wenn man nachts in den Wald geht und erschossen wird. In dem Film „Expedition ins Tierreich, Wölfe in Deutschland – tod oder lebendig“, sagt ein enflussreicher Jäger auf einer Versammlung, dass die Rotkäppchengeschichte keine Geschichte sei, sondern eine Tatsache und dass jedes gefressene Kind ein Kind zuviel sei. Das macht Angst. Auch „ aus den Schlagzeilen von Bild bis Spiegel trieft Blut, die altbekannte Hetze gegen den bösen Wolf wird wieder lebendig.“ (https://www.youtube.com/watch?v=g1B7Cud00mg  Expedition ins Tierreich, Wölfe in Deutschland – tot oder lebendig). Es gibt sogar Falschmeldungen in der Bildzeitung. Dort soll ein Schäfer gesagt haben, dass ihn die Lausitz-Wölfe angegriffen hätten und so stand es riesengroß in der Bildzeitung. In dem Film sagt er aber, dass das nie passiert sei und dass er das nie gesagt hätte.

Auch das Hamburger Abendblatt schrieb am 20.02.2017 einen Artikel, in dem es um Tierhalter geht, die ein Aktionsbündnis gegen Wölfe gründen und sich gegen die „Willkommenskultur“ für Wölfe wenden. In dem Artikel steht auch, dass die Zahl der Wölfe in Norddeutschland jährlich um 30% wachsen würde. Das ist nicht logisch, denn Wölfe verteidigen ihr Revier gegen andere Wölfe. Deshalb kann die Anzahl nicht jedes Jahr um 30% steigen, irgendwann hört das Wachstum auf.

Ich habe auch einige Filme gesehen, in denen die Menschen von Wolfsbegegnungen erzählen, von sehr nahen und davon, dass ihr Hund angegriffen wurde wie in der ZDF Reportage vom 19.06.2016. Die Leute haben wirklich Angst auch um ihre Kinder.

Oft wird gesagt, dass der Wolf so scheu sei, dass man froh sein muss, wenn man ihn sieht. Aber vielleicht gewöhnt er sich auch an den Menschen genauso wie an den Lappenzaun. Er beobachtet und lernt und wenn Menschen, ihn sogar anfüttern, ist es auch nicht verwunderlich und ich merke, wie mir auch ein bisschen mulmig wird.

 

Schaden und Nutzen durch den Wolf

Der Wolf verursachte im Jahr 2015 einen Schaden von ca. 100.000,- Euro. Das hört sich erst mal viel an, aber im Gegensatz zu den Schäden der Wildschweine, ca. 17.000.000,- Euro, ist das sehr wenig. Selbst wenn man zu dem Schadenersatz für Wolfschäden die Ausgaben für Forschung und Präventionen (Wolfszäune, Herdenschutzhunde) dazu zählt, kommt man zwar auf etwa 700.000,- Euro, das ist aber immer noch nur ein Bruchteil der Ausgaben für die Schäden der Wildschweine. Die Wildschweine durchwühlen die Getreide- und Maisfelder der Bauern. Die Bauern und Jäger kommen dagegen kaum an. Dazu kommen die Schäden der Rehe, die viele Pflanzenbestände in Gefahr bringen, indem sie alle Knospen auffressen, so dass die Förster viele Zäune bauen müssen. „Der Wolf kann hier vieles unentgeldlich erledigen und sich damit quasi selbst finanzieren.“ (https://www.youtube.com/watch?v=zbPUG9jENag [Doku 2017 HD] Schießen oder schützen – Die Rückkehr der Wölfe).

Deshalb sagen viele Förster, dass ein Wolfsrudel im Revier sehr viel Geld, Zeit und Personen spart. Die Wölfe verkleinern den Wildbestand auf eine natürliche Art, dadurch müssen weniger Zäune zum Schutz der Pflanzen gebaut werden. Der Wolf ist für das Gleichgewicht in der Natur wichtig und für die Artenvielfalt.

Ökosysthem Wald

 

Anhang

Bücher

  • Meyer, Till, Copyright 2013. Wölfe Im Revier der grauen Jäger, Nürnberg, Tessloff, Was ist Was Band 104.

  • Ahne, Petra, Copyright 2016. Wölfe, Berlin: MSB Matthes & Seitz. Berlin Verlagsgesellschaft mbH S.97 Seite 97

  • Hrsg.: Elli H. Radinger, Copyright 2012. Wer hat Angst vorm Wolf? Wie gefährlich sind Wölfe wirklich? Berlin, Autorenhaus

  • Harling, Gert G. v, Copyright 2013. Wölfe, Jäger mit Teamgeist. Melsungen, Neumann – Neudamm

  • Baumgartner, Hansjakob, Gloor, Sandra, Weber, Jean – Marc, Dettling, Peter A., Copyright 2008. Der Wolf. Ein Raubtier in unser Nähe. Berlin, Stuttgard,Wien, Haupt.

  • Lotzkat, Sebastian, Copyright 2016. Landflucht der Wildtere. Reinbeck bei Hamburg, Rowohlt Taschenbuch.

Flyer

  • Stoelpel, Beatrix, Copyright ?. Der Wolf – zurück in Deutschland. www.freundeskreis -wolf.de

  • Hrsg.: Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) , Copyright 2016, Der Wolf ist zurück in Niedersachsen. Informationen und Verhaltentipps. Hannover ?

  • Hrsg.: Landkreis Lüneburg, Copyright ?. Wolfsbegegung – Was nun? Leben mit dem wilden Heimkehrer, Lüneburg?

  • Stoeppl, Beatrix, Copyright ?.Vorbeugender Schutz von Nutztieren vor Wölfen. www.freundeskreis -wolf.de

DVD

  • Buch, Kamera und Regie Sebastian Koerner, 2012. Deutschlands Wölfe. Doclights GMBH / NDR Naturfilm+polyband Medien GmbH.

Internet

Bildnachweise: